Mit deinem täglichen Avocado-Toast zerstörst du die Welt

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Solltest du ganz erbost auf den Titel geklickt haben, um dich über meine Frechheit zu echauffieren, dir vorzuwerfen, mit einer Avocado die Welt zu zerstören, lass es gleich bleiben. Ich gebe selber zu, der Titel ist ein wenig übertrieben, aber wieso er nicht ganz von der Hand zu weisen ist, folgt sogleich:

Vor einiger Zeit wurde ich durch einen spannenden Artikel in der Zeit wieder an etwas erinnert, das mich mein täglicher Instagram-Feed gerne vergessen lässt: Die Avocado gehört nicht zu uns, und sie ist ökologisch betrachtet eine unglaublich schlechte Idee. (Natürlich auch vieles andere- allem voran Fleisch. Aber hier, in diesem Artikel, geht es um die Avocado.)

Ich finde, das zu wissen, ist wichtig, gerade weil die Avocado so extrem mit einem nachhaltigen, gesunden und umweltbewussten Lebensstil verbunden wird- oft als Teil der veganen Ernährung. Sie ist der Inbegriff eines gesunden, bewussten Lebens. Dabei liegt hinter der Frucht, die du in Mitteleuropa im Supermarkt kaufst, eine weite, teure und aufwändige Reise, die beim Kauf doch zumindest bei Leuten, die es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Eine Avocado-Erfolgsgeschichte

Laut Zeit-Online wurden  im Jahr 2010 28.000 Tonnen Avocados nach Deutschland eingeführt. Im Jahr 2015 waren es bereits 45.000 Tonnen, und der Trend scheint nicht abzuflachen. Die Erfolgsgeschichte dieser Frucht ist mehr als interessant, dazu empfehle ich folgenden Artikel der Süddeutschen Zeitung: Alles im grünen Bereich (Der Artikel ist eine Anzeige, mir war jedoch nicht ersichtlich, für wen. Wahrscheinlich die Avocado-Lobby.)

Die Sorte “Hass” jedenfalls, die bei uns zu dem am häufigsten verkauften zählt, stammt ursprünglich aus Kalifornien, wo alles mit einer einzigen Pflanze begann. Tatsächlich stammt jede Avocado von einem einzigen Urvater und einer Zufallsentdeckung ab.

Heute werden Tausende dieser Bäume in großen Teilen der Welt angebaut. Was ihr euch merken könnt, ist, dass der Namensgeber der Pflanze “Hass” ein experimentierfreudiger Briefträger war. Chapeau!

Jiang Xulei

Eine Avocado benötigt fast 500 Liter Wasser

Ist das nicht verrückt? Für ein bisschen mehr als 2 Avocados gehen laut zeit.de (s. Quellen) 1000 Liter Wasser drauf. Das ist eine ungeheure Menge, die in diesem von Dürre und Wassermangel geplagten Gebiet weitaus sinnvolleren Einsatz finden könnte.

Welches Gebiet? Nun, die meisten Avocados der Sorte Hass kommen aus Chile oder Peru (und natürlich noch einigen weiteren Ländern wie der Dom. Rep. etc). Diesen Ländern fehlt das Wasser teilweise an viel wichtigeren Stellen.

Während das Land verdurstet, investieren die Avocado-Bauern in lange Pipelines für frisches Wasser, in neue Straßen und sie eröffnen viele Arbeitsplätze- endlich ein Pluspunkt!

Ja, eine große Avocado-Plantage kann tausende Arbeiter beschäftigen, die laut “Zeit” sogar ganz normal und gut verdienen (können).

Das ändert nur leider nichts an den furchtbaren Folgen für Natur und Umwelt. Der Boden wird ausgelaugt, ganze Landstriche werden für Plantagen gerodet und verbrannt. Übrigens sieht es mit Mandeln, die fast alle aus Kalifornien kommen, ähnlich aus. Wir bekommen davon natürlich nichts mit. Es ist wie mit der Mode: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wir SOLLEN in Wahrheit gar nicht wissen, woher unser Essen genau kommt, und wie es dort aussieht.

Der Bevölkerung in Mitteleuropa wird alles auf dem Silbertablett serviert. Denn die zahlt gut.

Avocado
Cremig gelblich bis grün- diese Avocado ist reif!

First World Problems – die Avocado

Lange Zeit war das Avocado-Essen ein Problem: Die Früchte werden unreif geerntet und verschickt, um den langen Transport zu überstehen. Sie sind unreif nämlich noch besonders hart und nehmen keinen Schaden. Allerdings konnte man so den Zeitpunkt der perfekten Reife schwer abpassen.

Man musste die Früchte nach dem Kauf zwei, bis drei Tage liegen lasse, manchmal sogar länger. Seit einiger Zeit gibt es sie aber; die perfekt reife Avocado, zum Kaufen und “gleich-Essen”. Das liegt an einem ausgeklügelten System, welches sich in der Nähe von Rotterdam befindet.

Beitrag: Wie Plastik ins Meer und deinen Magen gelangt

Dort werden die unreifen Avocados nach ihrer langen Reise in eine besondere Lagerhalle verfrachtet. Ein riesiger Ventilator verteilt dort das Reifegas Ethen gleichmäßig im ganzen Raum. Ethen wird beispielsweise auch von Bananen abgesondert, weswegen man kein anderes Obst direkt daneben lagern sollte.

Zusätzlich wird der Raum gekühlt und erwärmt- in unterschiedlichen Intervallen. Bis nach ungefähr 6 Tagen (siehe zeit.de in den Quellen) die Avocados perfekt gereift in den Supermarkt kommen. Natürlich erst nach einem Röntgen, das sicherstellt, dass nicht doch irgendwo ein dunkler Fleck entstanden ist.

Dort liegen sie bereit, oft ein wenig teurer, als die anderen, unreifen. Die gibt es nämlich trotzdem noch. Die, bei denen man 2-3 Tage warten und den perfekten Zeitpunkt selber finden muss. Was für eine Ungemütlichkeit! Nachdem dieses First World Problem also gelöst wurde, ist die Avocado beliebter, denn je.

Avocado
An der rauen Schale erkennt man die Avocado der Sorte “Hass” sofort.

Die Lösung?

Wie die Zeit so schön schreibt, “… müsste man die Arme-Leute-Küche wiederentdecken.” (s. Quellen – zeit.de) Ein wenig lokaler denken, nicht so global. Superfood haben wir im eigenen Garten stehen, da braucht es gar nichts Exotisches, auch, wenn das momentan natürlich ziemlich in ist und einfach cool aussieht.

Ich esse selber gerne hin und wieder eine Avocado oder Mangos. Ich nehme mich da gar nicht aus, nur möchte ich das Problem aufzeigen. Die Avocado ist nur eine von vielen Früchten, die nach Ökobilanz wirklich gar keinen Sinn macht in Mitteleuropa.

Und all die Lifestyleblogger und “gesund-Lebenden”, die jeden Tag ihre Avocado-Brote auf instagram posten, bewirken genau das Gegenteil dessen, was sie eigentlich zu vermitteln versuchen.

Es ist eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft, dass wir einfach komplett von den Quellen unseres Essens abgeschnitten sind.

Immer weniger Leute haben eine Ahnung, wie die Pflanze hinter der Frucht aussieht, was sie zum Leben braucht und woher sie kommt – und, was das bedeutet. Ich plädiere dafür, sich wieder vermehrt mit dem Essen auseinanderzusetzen. Regional und Saisonal zu essen ist das beste, was man für die Umwelt tun kann.

Schon ein kleines Beet am Balkon kann unglaublich Spaß machen und wieder mehr Aufmerksamkeit darauf lenken, worum es eigentlich geht.

Auch, wenn mir “die Zeit” nicht immer ganz aus der Seele spricht, möchte ich euch folgenden Artikel, auf dem dieser Beitrag fußt, sehr stark empfehlen:

Zeit.de – Superfood Trend

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, woher die Avocado eigentlich kommt? Lass mir doch einen Kommentar hier.

Avocado


Quellen

SZ- Alles im Grünen Bereich (ACHTUNG: Artikel ist eine Anzeige/Kooperation. Mit wem? Keine Ahnung)

http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/avocado.html

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